Newsletter März 2026
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Geduld zahlt sich aus 

Warum Zeit im Markt wichtiger ist als der perfekte Einstiegszeitpunkt

Viele Menschen, die ihr Geld anlegen möchten, stellen sich früher oder später dieselbe Frage: Wann ist der richtige Moment einzusteigen? Die Vorstellung, zum Tiefpunkt zu kaufen und zum Höchststand zu verkaufen, ist verlockend, in der Praxis aber kaum umsetzbar. Marktbewegungen lassen sich nicht zuverlässig vorhersagen. Wendepunkte werden fast immer erst im Rückblick sichtbar.

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Der Mythos vom perfekten Timing 

Kapitalmärkte reagieren auf eine Vielzahl von Faktoren: Zinsentscheidungen, Inflation, Konjunkturdaten, geopolitische Ereignisse oder unerwartete Krisen. Gerade überraschende Entwicklungen führen zu starken Kursschwankungen. Wer versucht, solche Bewegungen exakt zu treffen, ist häufig auf Glück angewiesen.

Hinzu kommt: Selbst Bewertungen, die auf den ersten Blick hoch oder niedrig erscheinen, liefern selten klare Signale. Märkte können länger steigen oder fallen, als viele erwarten. Deshalb führt der Versuch, den „perfekten Zeitpunkt“ abzuwarten, oft zu Stillstand.

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Warum Abwarten Rendite kosten kann

Während Anleger zögern, bleibt Kapital häufig auf niedrig verzinsten Konten liegen. Dort ist es zwar weniger Schwankungen ausgesetzt, verliert aber real an Kaufkraft, insbesondere in Zeiten höherer Inflation. Gleichzeitig zeigen langfristige Auswertungen, dass ein großer Teil der Börsenrendite an wenigen starken Tagen entsteht. Wer in diesen Phasen nicht investiert ist, verpasst wichtige Ertragschancen.

Der entscheidende Faktor ist daher nicht der exakte Startpunkt, sondern wie lange ein Investment im Markt bleibt.

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Zeit als Verbündeter

Ein längerer Anlagehorizont relativiert kurzfristige Schwankungen. Krisen, Rückgänge und Schlagzeilen verlieren mit der Zeit an Bedeutung, während der Zinseszinseffekt wirken kann. Der bekannte Grundsatz „Zeit im Markt schlägt Markt-Timing“ bringt diese Erkenntnis auf den Punkt.

Das bedeutet nicht, Risiken zu ignorieren. Entscheidend ist eine Strategie, die zu den eigenen Zielen, dem Anlagehorizont und der persönlichen Risikotoleranz passt und die auch in unruhigen Phasen durchgehalten werden kann (siehe dazu den Beitrag „Stresstest fürs Depot“ in diesem Newsletter).

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Struktur statt Perfektion

Ein geplanter Einstieg kann helfen, emotionale Entscheidungen zu vermeiden. Dazu gehören beispielsweise:

  • regelmäßiges Investieren über Sparpläne
  • gestaffelte Einmalanlagen, um Kursschwankungen zu glätten
  • klare Zielquoten zwischen chancenorientierten und defensiven Bausteinen
  • regelmäßiges Überprüfen und Anpassen der Portfolio-Gewichtung

Diese Ansätze reduzieren den Druck, den „richtigen Moment“ treffen zu müssen.

Diversifikation und Qualität geben Stabilität

Da die Zukunft nicht vorhersehbar ist, spielt Streuung eine zentrale Rolle. Eine breite Verteilung über Anlageklassen, Regionen und Währungen kann Schwankungen abfedern und Abhängigkeiten reduzieren. Ebenso wichtig ist die Qualität der Investments: Unternehmen und Anlagen mit robusten Geschäftsmodellen haben langfristig bessere Chancen, Krisen zu überstehen und davon zu profitieren.

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Der perfekte Einstiegszeitpunkt bleibt eine Illusion. Wer dagegen früh beginnt, konsequent investiert bleibt und eine passende Strategie verfolgt, erhöht langfristig die Wahrscheinlichkeit, Anlageziele zu erreichen. 

Geduld ist damit kein passives Abwarten, sondern ein aktiver Renditefaktor.

Stresstest fürs Depot. 

Hält mein Portfolio auch Gegenwind aus?

Läuft es rund an den Märkten und das eigene Depot verhält sich stabil oder verbucht Kursgewinne, ist man gern mal stolz auf das gut diversifizierte Portfolio. Doch wie gelungen die Streuung der Vermögenswerte wirklich ist, zeigt sich erst, wenn es richtig ungemütlich wird. In Stressphasen passiert nämlich häufig etwas Unangenehmes: Anlagen bewegen sich stärker im Gleichschritt. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIS) beschreibt, dass Korrelationen in Phasen hoher Volatilität tendenziell steigen. Genau dann, wenn man Diversifikation am dringendsten bräuchte.

Die Folge: Im Abschwung zeigt sich rasch, was der Begriff Klumpenrisiko bedeutet. Was es heißt, wenn man „zu viel Tech“, „zu viel USA“, „zu viel eine Währung“, „zu viel eine Idee“ im Depot hat. So können sich Korrelationen innerhalb weniger Wochen verdreifachen. Die BIS nennt dafür ein konkretes Beispiel: Nach dem Zahlungsausfall Russlands1998 stieg die durchschnittliche Korrelation von Risikoaufschlägen (Yield-Spreads) bei einer Vielzahl internationaler Anleihen von 0,11 im ersten Halbjahr 1998 auf 0,37 zwischen Mitte August und Mitte September. Das ist ein Paradebeispiel dafür, wie Märkte in Stressphasen plötzlich „gemeinsam reagieren“.

Um solche Schwachstellen in einem Portfolio sichtbar zu machen, simulieren Anlageprofis historische Krisen und Marktschocks. Aus den Ergebnissen versuchen sie dann, Handlungsregeln abzuleiten. So kompliziert wie die Profis müssen Sie es als Privatanleger nicht angehen, aber einen einfachen Stresstest fürs Depot sollten auch Sie machen. Denn schwankende Märkte sind nicht das Problem – ein Depot, das nur bei Schönwetter funktioniert, schon.

Der praktische Stresstest in 4 Szenarien

Nehmen Sie Ihr Depot grob in Blöcke auseinander (Aktien / Anleihen / Gold und Rohstoff-Produkte / Liquidität / Sonstiges) und spielen Sie vier Szenarien durch:

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Aktien-Crash, schnell und hart

Stellen Sie sich einen Rückgang der weltweiten Aktienkurse von -40% vor. Wie tief fällt Ihr Gesamtdepot? Und die entscheidende Anschlussfrage: Müssten Sie dann verkaufen, um Ausgaben zu decken?

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Zins-Schock

Steigen die Renditen deutlich, können Anleihen vor allem mit längeren Laufzeiten spürbar verlieren. Prüfen Sie deshalb, wie hoch der Anteil langlaufender Anleihen in Ihrem Depot ist. Das ist ein Risikotreiber, wenn das Zinsumfeld dreht. (Dass Stresstests explizit auch Zinsänderungen modellieren, ist Standard in professionellen Ansätzen.) 

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Inflations-Schock

Was, wenn die Inflation länger hoch bleibt? Welche Bausteine schützen die Kaufkraft, und welche sind besonders abhängig von niedrigen Zinsen und hohen Bewertungen? Auch hier hilft der Stresstest als „Scheinwerfer“: Er zeigt, ob Sie mit Ihrem Depot unbewusst auf ein einziges Makro-Szenario setzen. 

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Liquiditätsstress im Alltag

Der Markt kann fallen, und gleichzeitig kann das Leben teurer werden (Jobwechsel, Reparaturen, Familie). In der Praxis gilt Liquidität als kritischer Stabilitätsfaktor; schlechtes Liquiditätsmanagement kann Krisen verschärfen. Übersetzt für Privatanleger heißt das: Notgroschen und geplante Entnahmen sind Teil des Stresstests, nicht „Privatsache nebenbei“. 

Reverse-Stresstest: Die ehrlichste Frage

Denken Sie einmal andersherum: Welche Kombination aus Ereignissen würde mich zum Verkaufen zwingen? Reverse Stress Testing ist in der Risikowelt etabliert, weil es direkt die Bruchstellen einer Strategie offenlegt. Wenn Ihre persönliche Schmerzgrenze bei -25% liegt, ist das kein Makel, sondern ein Planungswert. Dann sollte die Depotstruktur so gewählt werden, dass diese Schwelle seltener erreicht wird, oder Sie klare Regeln haben, was dann passiert.

 

Depot-Robustheits-Ampel

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